In Indien „verschwinden“ Millionen von Mädchen bevor sie zur Welt kommen. Obwohl vorgeburtliche Geschlechtsbestimmung gesetzlich verboten ist, sind gezielte Abtreibungen von Mädchen und die damit einhergehende Diskriminierung von Frauen nach wie vor weit verbreitet. ADF India schützt Indiens ungeborene Töchter.

 

Hoffnung und Angst. Payal* war während ihrer Schwangerschaft hin und hergerissen. Sie hoffte darauf, einen Sohn geschenkt zu bekommen und damit in ihrer Familie endlich anerkannt und akzeptiert zu werden. Gleichzeitig hatte sie große Angst davor, ein drittes Mal ein Mädchen zur Welt zu bringen. Eine Welt, in der Mädchen und ihre Mütter oft beschimpft, geschlagen und misshandelt werden.

Söhne bevorzugt

„In Indien haben wir das gängige Bild, dass eine Tochter wie eine Blume ist. Jedoch ist sie eine Blume, die für einen fremden Garten gegossen werden muss“, erklärt Tehmina Arora, Leiterin von ADF India. Sie beschreibt, was es bedeutet in Indien eine Tochter großzuziehen und warum Mädchen für ihre Familien oft eine unerwünschte Belastung darstellen. Während auf die Geburt eines Sohnes Freudenfeste folgen, führt die eines Mädchens im besten Fall zu bloßer Verachtung.

Nach alter Tradition hat ein künftiger Ehemann Anspruch auf eine hohe Mitgift und so sichert er die finanzielle Situation der gesamten Familie. Die Braut hingegen wird mit ihrem Hochzeitstag zu einem Teil des Haushaltes ihres Mannes. Für ihre eigene Familie ist ein Mädchen ein „schlechtes Geschäft“. Neben dem erheblichen finanziellen Aspekt, tragen auch kulturelle Praktiken und strenge Normen in der Gesellschaft dazu bei, dass Söhne im ganzen Land als das bevorzugte Geschlecht gelten. Mädchen werden einfach abgetrieben.

Gewalt gegen Frauen

Frauen unterliegen einem enormen Druck, Söhne zur Welt zu bringen. Entbinden sie Mädchen, müssen sie oft seelische und körperliche Gewalt erleiden, werden verstoßen oder müssen sogar um ihr Leben fürchten. Mit 70% liegt die Rate der häuslichen Gewalt gegen Frauen in Indien so hoch, wie in kaum einem anderen Land der Welt. Viele haben diese traurige Realität einfach akzeptiert. Eine Umfrage des International Institute for Population Studies ergab, dass 56% aller indischen Frauen sogar glauben, dass Gewalt gegen sie unter bestimmten Umständen gerechtfertigt sei.

Payal erlebte diese Realität am eigenen Leib. Sie bekam ein drittes Mädchen. Die Schläge, Beschimpfungen und Vergewaltigungen nahmen weiter zu. Ihr Mann meinte, sie solle sich an die Behandlung gewöhnen. Payal musste ständig auf der Hut sein. Sie rechnte jederzeit damit, dass ihr und ihren Töchtern etwas angetan werden könnte – von der eigenen Familie, deren Freunden und Bekannten. An einem Abend im November 2019 beschloss Payal, mit ihren Mädchen zu fliehen. Sie schaffte es allerdings nur mit zwei ihrer Mädchen in eine andere Stadt. Nun bangt sie um das Leben ihrer Zweitgeborenen. Die vierjährige Jaya* wurde von der Familie ihres Mannes zurückgehalten, um auch Payal zur Rückkehr zu zwingen.

Drei Millionen Mädchen weniger

Flucht gelingt nur den wenigsten Frauen in Indien. Viele werden dazu gezwungen, ihre Mädchen abtreiben zu lassen. Seit 1994 ist pränatale Geschlechtsbestimmung und somit auch geschlechtsspezifische Abtreibung in Indien gesetzlich verboten. Ein Gesetz, dass jedoch systematisch umgangen wird. Das Geschlechterverhältnis der Neugeborenen bestätigt, dass die Praxis nach wie vor gängig ist. Die Volkszählung von 2011 zeigte, dass die Anzahl der Mädchen in der Altersgruppe von 0-6 Jahren von 78,83 Millionen im Jahr 2001 auf 75,84 Millionen im Jahr 2011 zurückgegangen ist. Drei Millionen Mädchen weniger. Mit einem Verhältnis von 919 Frauen zu 1000 Männern ist das Verhältnis der Geschlechter landesweit verzerrt.

Der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (United Nations Population Fund, UNFPA) hat kürzlich den Bericht „State of the World Population 2020“ veröffentlicht, der die Aufmerksamkeit auf 19 Formen von Menschenrechtsverletzungen an Frauen und Mädchen lenkte. Dem Bericht zufolge stammt jedes dritte Mädchen, das weltweit aufgrund geschlechtsspezifischer Selektion (pre- und postnatal) vermisst wird, aus Indien – 45,8 Millionen der insgesamt 142,6 Millionen vermissten Mädchen. Auf geschlechtsspezifische Abtreibungen spezialisierte Einrichtungen verdienen gutes Geld mit jenen, die sich per Ultraschall über das Geschlecht ihres Kindes vergewissern wollen. Handelt es sich um ein Mädchen, treibt man vor Ort ab.

Eine neue Kultur des Lebens

Die Gesetze, die die Tötung weiblicher Babies stoppen sollen, werden nicht geachtet. Nicht zuletzt, weil Verstöße kaum geahndet werden. „Niemand fürchtet diese Gesetze hier. Jeder weiß, dass es möglich ist, in den Kliniken eine Geschlechtsbestimmung machen zu lassen und auch, wie einfach eine Abtreibung darauf erfolgen kann“, sagt Tehmina Arora.

ADF India hat 2016 die „Vanishing Girls“-Kampagne ins Leben gerufen. Sie soll dazu beitragen, dass bestehende Gesetze bekannt und befolgt werden. „Wir fokussieren uns besonders auf die Regionen, in denen am meisten geschlechtsselektive Abtreibungen vorgenommen werden. Wir klären die Frauen vor Ort über ihre Recht auf. Wir machen ihnen Mut, ihre Kinder zu bekommen. Im Notfall stehen wir ihnen rechtlich bei und vermitteln auch andere Hilfe. Sie sollen wissen, dass es eine Gruppe von Anwälten gibt, die in der Lage ist, ihre Fälle zu übernehmen, sie außerdem ernst nehmen und ihnen langfristig helfen möchten“, so Tehmina Arora.

Freudiges wiedersehen

Sie kennt unzählige traurige Schicksale, weiß aber auch über positive Fälle zu berichten. Payal gehört zu diesen. Nach neun Monaten harter Trennung konnte sie ihre Tochter Jaya endlich wieder in die Arme schließen. Nach unzähligen Nächten, in denen sie sich in den Schlaf geweint hatte und nicht wusste, ob sie sie jemals wieder sehen würde. Mit Hilfe von ADF India hat sie den unvorstellbar harten Kampf um das Sorgerecht gewonnen. Die Familie ihres Mannes hatte nichts unversucht gelassen, die Tochter ihrer Mutter zu verweigern. Man versuchte sogar die Corona-Pandemie als Vorwand für eine weitere Verzögerung anzuführen. ADF India unterstützt Mütter wie Payal, die allen Widrigkeiten trotzen und sich dafür entscheiden, Töchter zu gebären und sie so zu lieben, wie sie es verdienen. Aber man arbeitet nicht nur auf rechtlicher Ebene.

Die indische „Vanishing Girls“- Kampagne will die Situation vor allem auf Social Media thematisieren. Mann möchte sensibilisieren. Kliniken und Ärzte sollen stärker kontrolliert und die Frauen über ihre Rechte aufgeklärt werden. Es braucht einen Wandel im Denken der Bevölkerung. Frauen und Mädchen haben dieselbe Würde wie Männer. Niemand soll abgetrieben werden.

Tehmina Arora ist selbst Mutter. Für ihre mittlerweile dreizehnjährige Tochter wünscht sie sich ein Umdenken in der Gesellschaft: „Töchter sind wertvoll. Keine Frau sollte sich ungewollt oder ungeliebt fühlen. Wir haben eine Verantwortung für unsere Mädchen. Sie sind die Blumen Indiens und verdienen viel Sonne, Wärme und Liebe.“ *Name zum Schutz geändert

Wo

Indien

WAS

Recht auf Leben
Gleichberechtigung

WIESO

Jeder Mensch hat das Recht auf Leben. Jeder Mensch hat eine unantastbare Würde.

Was dabei auf dem Spiel steht

Die Gesetze die erlassen wurden um die Tötung weiblicher Babies zu stoppen werden nicht geachtet.Verstöße werden zu selten geahndet. Kliniken und Ärzte sollten stärker kontrolliert und die Frauen müssen über ihre Rechte aufgeklärt werden. Es braucht einen Wandel und ein Umdenken in der Gesellschaft. Frauen und Mädchen haben dieselbe Würde, wie Männer. Deshalb benötigen sie sie rechtlichen Schutz.

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