Im hinduistisch geprägten Nepal wächst die Zahl der Christen – ganz zum Unmut der Behörden und radikalen Hindus. Pastoren stehen bei ihrer Arbeit sprichwörtlich mit einem Bein im Gefängnis, denn Glaubensgespräche oder gar der Religionswechsel sind per Gesetz verboten. Bei Nepal denken viele an den Mount Everest sowie an eine freundliche und friedliebende Bevölkerung. Der Staat garantiert seinen Bürgern Religionsfreiheit, seit 2006 ist der Hinduismus offiziell keine Staatsreligion mehr. Und dennoch: Christen sehen sich seit einigen Jahren zunehmend mit Diskriminierung und rechtlicher Verfolgung konfrontiert. Haft für öffentliches Gebet Pastor Acharya hat diese negative Entwicklung am eigenen Leib erfahren: Mehrere Wochen musste er in einer kalten Zelle ausharren und den Spott der Aufseher über sich ergehen lassen. Am meisten litt er unter der Trennung von seiner Frau und seinen beiden Kindern. Sein Verbrechen: Der 32-Jährige hatte ein Heilungsgebet gegen das Coronavirus im Internet veröffentlicht und war dafür am 23. März 2020 verhaftet worden. Das Gebet lautete: „Mit der Macht des Herrschers dieser Schöpfung rüge ich Dich. Mit der Macht im Namen unseres Herrn Jesus Christus, geh fort und stirb, Corona!“ Die Behörden warfen ihm vor, dadurch auf aggressive Weise missioniert und Lügen über den Virus verbreitet zu haben. Er hätte versucht, Hindus zum Christentum zu bekehren, und behauptet, Gebet könnte Covid-19 heilen. Der Leiter einer kleinen christlichen Gemeinde dürfte schon länger auf dem Radar der Behörden gewesen sein. Schließlich wurde er Opfer einer verdeckten Ermittlung der örtlichen Polizei. Ein Beamter meldete sich beim Pastor unter falscher Identität und bat um das Gebet für eine ältere kranke Frau. Einige Stunden später stand die Polizei in Pastor Acharyas Wohnzimmer und nahm ihn mit. Die Bereitschaft des Pastors, für diese Frau beten zu wollen, genügte den Behörden, ihn zu verhaften.

Unbezahlbare Kautionssummen

Acharyas Familie bezahlte eine erste, geringe Kaution. Er sollte anschließend am 8. April freigelassen werden. Doch dazu kam es nicht. Er wurde wegen eines zweiten angeblichen Vergehens festgehalten, ohne genaue Begründung. Die Kaution wurde dafür auf eigentlich unleistbare 4.000 Euro angesetzt. Zum Vergleich: Das jährliche Pro-Kopf Einkommen liegt in Nepal bei unter 1.000 Euro. Aber mit Hilfe von Bekannten und Freunden brachte die Pastorenfamilie auch diese gewaltige Summe zusammen. Er wurde entlassen und durfte nach Hause. Wenige Tage später inhaftierte man den Pastor aufgrund einer dritten, ebenso haltlosen Anschuldigung der Zwangskonvertierung von Menschen hinduistischer Religionszugehörigkeit. Diesmal wurde er sofort in ein entlegenes Gefängnis gebracht, das berüchtigt für die brutale Behandlung der Insassen ist. Dort musste er mehrere Wochen ausharren, bis abermals eine hohe Kaution entrichtet werden konnte.

Kein Einzelfall

Leider ist die Geschichte Pastor Acharyas kein Einzelfall. Für die Menschenrechtsanwältin und Leiterin des asiatischen Zweigs von ADF International, Tehmina Arora, verdeutlicht seine Geschichte die Voreingenommenheit der Behörden gegenüber Christen. Obwohl die nepalesische Verfassung grundsätzlich das Recht auf freie Glaubensausübung schütze, stünden willkürliche Verhaftungen für Angehörige religiöser Minderheiten an der Tagesordnung. Besonders problematisch sind dabei bewusst falsche Beschuldigungen unter den erst vor einigen Jahren eingeführten Anti-Bekehrungsgesetzen, die im Widerspruch zum Grundrecht auf Religionsfreiheit stehen. Wie in Indien auch, soll es Hindus den Übertritt zu anderen Religionen nahezu unmöglich machen. Deshalb drohen auf Zwangsbekehrungen auch extrem hohe Strafen.

Religionswechsel verboten

2018 wurde das Strafgesetz in Nepal durch einige Paragrafen ergänzt, die ausdrücklich das „Propagieren einer Religion auf eine Art und Weise, die andere Religionen unterminiert“ oder andere zum Religionswechsel motiviert, unter Strafe stellt. Der Strafkodex beinhaltet nun ein ganzes Kapitel, das sich sogenannten „religiösen Vergehen“ widmet. Zudem erließ die Regierung weitere Einschränkungen, was die Gründung religiöser Organisationen und den Erhalt ausländischer finanzieller Unterstützung betrifft. Religiöse Minderheiten sind zunehmend unerwünscht. Internationale Geldflüsse an sie versucht man zu unterbinden, um sie weiter zu schwächen.

Übergriffe nehmen zu

„Uns erreichen immer mehr Fälle wie jener Pastor Acharyas aus Nepal. Die Übergriffe gegen Christen und andere religiöse Minderheiten nehmen zu“, so Arora. „Wir müssen hier mittlerweile von Verfolgung sprechen.” Die indische Menschenrechtsanwältin hat diese negative Entwicklung sowohl bei der nepalesischen Regierung selbst als auch beim UNOMenschenrechtsausschuss angemahnt. Die Menschenrechtsorganisation ADF International bemüht sich auf diese Weise darum, dass sich die Staatengemeinschaft für religiöse Minderheiten einsetzt. Sie dokumentiert Einzelschicksale und setzt sich dafür ein, dass Menschenrechtsverletzungen auf politischer Ebene geahndet werden. So verpflichteten sich die USA erst kürzlich dazu, ihre Hilfsleistungen an Empfängerstaaten in Afrika und Asien von der Durchsetzung des Grundrechtes auf Religionsfreiheit abhängig zu machen – ein wichtiger Schritt in Richtung langfristige Eindämmung von Christenverfolgung weltweit. Arora hofft, dass auch andere westliche Staaten diesem Beispiel folgen werden, etwa Deutschland, Großbritannien oder Frankreich.

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