Zusammenfassung

  • Suspendierung und viermonatiges Verfahren gegen Julia Rynkiewicz wegen Engagement für Pro-Life-Gruppe
  • Nach offizieller Beschwerde erhält Rynkiewicz nun Vergleichsangebot von Universität und nimmt es an

NOTTINGHAM (25. November 2020) – Unterdrücken Universitäten die Meinungsfreiheit von Studenten? Die Hebammenstudentin Julia Rynkiewicz muss diese Frage leider mit Ja beantworten, denn ihr Fall ist ein trauriges Beispiel für den Umgang mit „andersdenkenden“ Studenten. Rynkiewicz leitete als Präsidentin die „Nottingham Students for Life“, eine Pro-Life-Gruppe für Studenten, der die Studentenvertretung der Universität Nottingham ursprünglich die Zulassung an der Universität verweigerte.

Anlass für die Ermittlungen gegen Rynkiewicz waren einerseits Infomaterial, das in der Willkommenswoche den Erstsemestrigen bei einem Stand zur Verfügung gestellt wurde, sowie ihr öffentliches Auftreten für die Pro-Life-Gruppe. Daraufhin wurde die junge Studentin suspendiert und es wurde ein viermonatiges Verfahren gegen sie eingeleitet, in dem ihre Eignung als Hebamme überprüft wurde – ein langer Zeitraum, in dem sie ihr gesamtes Studium unterbrechen musste. Da sie vom zuständigen Gremium von allen Anschuldigungen freigesprochen wurde, ist Rynkiewicz davon überzeugt, dass sie aufgrund ihrer Überzeugungen das Ziel von ungerechtfertigten Behauptungen wurde, es zudem gravierende Fehler beim Verfahren gegen sie gab und dass die Universität sich gerechterweise bei ihr entschuldigen muss.

Nach ihrem Freispruch brachte Rynkiewics bei der Universität eine offizielle Beschwerde ein. Diese musste drei Instanzen durchlaufen, doch nun legte ihr die Universität endlich ein Ausgleichsangebot vor.

„Die erzwungene Pause meines Studiums aufgrund der unbegründeten Ermittlungen gegen mich war sehr schwierig zu ertragen – sowohl mental als auch emotional. Das Angebot der Universität zeigt, dass sie mich ungerecht behandelt haben. Auch wenn ich jetzt natürlich glücklich bin, endlich weitermachen zu können, hoffe ich, dass kein anderer Student durch die gleichen Erfahrungen mehr gehen muss. Was mir angetan wurde, beunruhigt viele Studenten, sodass sie sich nicht mehr trauen, offen über verschiedene Themen zu diskutieren. Dabei sollte doch die Universität der Ort sein, an dem genau das möglich ist,“ sagte Rynkiewicz.

„Sehr geehrter Premierminister“: Aktion konfrontiert britischen Premierminister mit den Zensurproblemen

Eine landesweite Umfrage in Großbritannien, die erst kürzlich von ADF International (UK) veröffentlicht wurde, ergab, dass 44 % der Studenten ihre Aussagen vor Professoren selbst zensieren – aus Angst davor, anders behandelt zu werden, wenn sie zu ihren Überzeugungen stehen. Außerdem fällt mehr als ein Drittel der Studenten auf, dass Veranstaltungen für Studenten zunehmend abgesagt werden müssen, weil die Ansichten eines Sprechers kritisiert werden. ADF International (UK) hat nun einen Brief an den britischen Premierminister geschickt und fordert von ihm ein rasches Handeln zur Lösung dieses Problems. In dem Brief wird die britische Regierung dazu aufgefordert, akademische Freiheit zu schützen und der verbreiteten Praxis ein Ende zu setzen, wonach bestimmte Sprecher oder Veranstaltungen nicht zugelassen werden (sogenanntes No-Plattforming). Mittels Unterschrift kann man dieses Schreiben unterstützen und damit ein Zeichen für die Rede- und Meinungsfreiheit setzen.

„Gerade an Universitäten sollten Studenten frei miteinander diskutieren können und neue Ansichten besprechen – und zwar besonders auch jene, mit denen sie nicht einverstanden sind. Ich freue mich, dass die Universität Nottingham mit ihrem Angebot ihre Fehler eingesteht und Julia unterstützt, die einfach nur zu ihrer Überzeugung stand, dass jedes Leben wertvoll ist. Leider zeigt die neue Studie im Auftrag von ADF International (UK) dass der Umgang mit Julia kein Einzelfall ist, sondern systematisch bestimmte Stimmen zum Schweigen gebracht werden sollen. Jeder dritte Student befürchtet, dass seine eigenen Ansichten zu gewissen Themen „unvertretbar“ sind. Wir brauchen eine neue Kultur der offenen Diskussionen und des unvoreingenommenen Meinungsaustausches an unseren Universitäten. Die aktuelle Zensur an der Universität kann nur allzu leicht weitere Kreise ziehen und sich in unserer Gesellschaft ausbreiten“, sagte Ryan Christopher, Leiter von ADF International (UK).

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