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  • Oberstes Gericht spricht pakistanisches Ehepaar von Blasphemie-Anklage frei und hebt Todesurteil einer unteren Instanz auf
  • Die Eltern von vier Kindern wurden sieben Jahre lang im Todestrakt gefangen gehalten

PUNJAB (12 Juni 2021) – Das Oberste Gericht in Lahore hat das Todesurteil gegen ein katholisches pakistanisches Ehepaar am 3. Juni aufgehoben. Ein Sitzungsgericht hatte Shagufta Kausar und Shafqat Emmanuel im Jahr 2014 wegen Blasphemie zum Tod verurteilt.

“Niemand sollte aufgrund seines Glaubens verfolgt werden. Wir begrüßen die Entscheidung des Gerichts, das Todesurteil gegen Shagufta und Shafqat aufzuheben. Das ist ein großer Schritt vorwärts für die Religionsfreiheit in Pakistan. Dieser Fall verdeutlicht die Brutalität der pakistanischen Blasphemie-Gesetze. Ein Ehepaar musste trotz schlussendlichem Freispruch sieben Jahre lang im Gefängnis ausharren. Wir hoffen, dass diese Entscheidung einen Präzedenzfall schafft. Insbesondere, indem sie zeigt, wie mit der Bewertung der Beweislage in Blasphemiefällen umgegangen werden muss”, sagte Tehmina Arora, Leiterin der Rechtsabteilung in Asien für ADF International, einer Menschenrechtsorganisation, die das Paar unterstützt.

Todesurteil wegen Blasphemie-Vorwürfen

Das Ehepaar hatte mit seinen vier Kindern auf einem Missionsgelände der Gojra-Kirche im pakistanischen Punjab in Armut gelebt. Am 18. Juni 2013 wurden angeblich blasphemische Textnachrichten von einem Telefon, das auf Shagufta Kausars Namen registriert gewesen sein soll, an einen Kleriker und einen Anwalt geschickt. Kausar und ihr Ehemann Shafqat Emmanuel wurden am 21. Juli 2013 verhaftet und wegen Blasphemie angeklagt. Das Paar kann weder lesen, schreiben, noch Englisch sprechen. Sie waren daher höchstwahrscheinlich nicht in der Lage Textnachrichten zu schreiben. Es ist unklar, wer die Nachrichten verschickt hat und aus welchem Grund.

Auf Blasphemie steht in Pakistan die Todesstrafe. Obwohl noch niemand formell dafür hingerichtet wurde, sind Dutzende von gewalttätigen Gruppen getötet worden, nachdem sie des Verbrechens beschuldigt wurden. Emmanuel war gefoltert worden, um ein falsches Geständnis abzulegen. Sie schlugen ihn und drohten, Kausar auszuziehen und sie nackt durch die Stadt gehen zu lassen. Ein Sitzungsgericht verurteilte Kausar und Emmanuel zum Tod. Sie legten Berufung beim Obersten Gericht in Lahore ein, welches sie nun freigesprochen hat.

Lebensgefahr trotz Freispruch

Der Anwalt des Paares, Saif Ul Malook, betonte die Probleme im Zusammenhang mit Blasphemie- Anschuldigungen, selbstbei Fällen, die schließlich mit einem Freispruch enden, und sagte:

“Shagufta und Shafqat sind unglaublich erleichtert, dass sie endlich von diesen unbegründeten Blasphemie-Anklagen freigesprochen wurden. Die vielen Verzögerungen bei der Anhörung ihrer Berufung haben ihnen viel Leid zugefügt. Diese Fälle sind aufgrund der Sicherheitsbedenken sehr schwierig zu verhandeln. Es besteht eine echte Bedrohung für das Leben der Mandanten und der Anwälte.”

Kausar war im selben Gefängnis wie Asia Bibi inhaftiert. In einem Fall, der weltweit Schlagzeilen machte, wurde Bibi der Blasphemie beschuldigt. Acht Jahre lang wurde sie in einer Todeszelle festgehalten, bis sie 2018 freigesprochen wurde. Ihr Fall dient als bekanntes Beispiel für die aktuelle Bedrohung religiöser Minderheiten in der Region. Nach ihrem Freispruch kam es in ganz Pakistan zu gewalttätigen Demonstrationen, bei denen ihr Leben bedroht wurde. Sie war gezwungen aus dem Land zu fliehen.

Europäisches Parlament forderte die Aufhebung des Todesurteils

Am 29. April verabschiedete das Europäische Parlament eine Resolution, in der es “die pakistanischen Behörden auffordert, Shafqat Emmanuel und Shagufta Kausar sofort und bedingungslos freizulassen und ihr Todesurteil aufzuheben”. Außerdem “fordert es Pakistan auf, die Paragraphen 295-B und C des nationalen Strafgesetzbuches aufzuheben und die Rechte auf Gedanken-, Gewissens-, Religions- und Meinungsfreiheit im ganzen Land zu respektieren und zu wahren und die Anwendung von Blasphemie Gesetzen effektiv zu verbieten.” Lesen Sie die vollständige Resolution “Blasphemie Gesetze in Pakistan, insbesondere der Fall von Shagufta Kausar und Shafqat Emmanuel” hier.

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