Zusammenfassung

  • US-Außenministerium stuft Nigeria angesichts zahlreicher Verletzungen der Religionsfreiheit nun zu als „besonders besorgniserregendes Land“ ein
  • 13.000 Kirchen geschlossen oder zerstört als Folge der grausamen Gewalttaten

WASHINGTON DC (18. Dezember 2020) – Über die letzten Jahre wurden in Nigeria mehrere Tausend Christen in Nigeria umgebracht. Nun nimmt das US-Außenministerium das westafrikanische Land in die Liste der „besonders besorgniserregenden Länder“ auf, weil die staatlichen Behörden „systematische, fortdauernde und schwerwiegende Verletzungen der Religionsfreiheit“ selbst begehen oder tolerieren. Zudem leiden Christen besonders im nördlichen Teil des Landes schon seit Jahren unter den Terroranschlägen der islamistischen Boko Haram – und es wird kaum etwas dagegen unternommen.

„Der weltweiten Verfolgung von gläubigen Christen muss endlich ein Ende gesetzt werden. Viel zu lange schon verletzt Nigeria die Grundrechte dieser religiösen Minderheit, indem grausame Gruppen nicht gestoppt, sondern die Täter vielmehr straffrei davonkommen. Die Einstufung Nigerias als besonders besorgniserregendes Land ist eine wichtige Botschaft der Vereinigten Staaten, Verbrechen gegen religiöse Minderheiten nicht länger zu tolerieren. Diese Neubewertung der Lage ist endlich ein Weckruf an Nigeria, das unantastbare Recht auf Religionsfreiheit zu schützen“, sagte Kelsey Zorzi, die die Abteilung für Weltweite Religionsfreiheit bei ADF International leitet.

Nigeria muss endlich tätig werden

Die Qualifizierung als besonders besorgniserregendes Land ist für viele, die sich für Religionsfreiheit in Nigeria einsetzen, ein großer Gewinn – auch wenn die Situation weiter zu eskalieren droht.

Der US-Sonderbotschafter für Internationale Religionsfreiheit, Samuel Brownback, erklärte anlässlich der Veröffentlichung der Neubewertung Nigerias: „Am meisten Sorge bereitet uns, dass die nigerianische Regierung trotz der prekären Situation kaum tätig wird. In dem Land breitet sich der religiös motivierte Terrorismus immer weiter aus – aber die Regierung sieht einfach nur untätig zu […].Wir brauchen endlich eine Handeln der Regierung. Wir sind bereit mit den Behörden zusammenzuarbeiten und ihnen bei der Bewältigung des Problems zu helfen.“

Gayle Manchin, Leiter der U.S. Commission on International Religious Freedom, sagte: „Nigeria ist die erste säkulare Demokratie, die als besonders besorgniserregendes Land eingestuft wird. Das zeigt, wie wachsam wir sein müssen, dass in allen Regierungssystemen Religionsfreiheit geschützt bleibt.“

Christenverfolgung in Nigeria

Über die letzten Jahre wurden mehrere Tausend Christen in Nigeria umgebracht. Millionen Menschen mussten vor der grausamen Gewalt fliehen und wurden so zu Flüchtlingen in ihrem eigenen Land. Infolge der zunehmenden Gewalt wurden insgesamt um die 13.000 Kirchen geschlossen oder sogar zerstört. Viele der Opfer wurden entführt, vergewaltigt, zwangskonvertiert oder -verheiratet oder sogar als Sklaven verkauft. Eine der treibenden Kräfte hinter diesen Anschlägen gegen Christen und andere religiöse Minderheiten ist die seit 2003 bestehende Terrorgruppe Boko Haram. Besonders im Nord- und im Zentralraum des Landes leiden die Christen unter der Diskriminierung und werden auch von anderen gewaltbereiten Gruppen angegriffen.

Die dramatische Menschenrechtssituation in Nigeria wird weltweit zunehmend ernstgenommen. Am 11. Dezember 2020 veröffentlichte die Anklägerin des Internationalen Strafgerichtshof eine Stellungnahme, in der das Ergebnis einer 2010 begonnenen Untersuchung in Nigeria vorgestellt wird. Anklägerin Fatou Bensouda erklärte, dass die erforderlichen Voraussetzungen für eine Strafverfolgung erfüllt sind und dass es eine ausreichende Grundlage für die Annahme gibt, dass Mitglieder von Boko Haram und der dazugehörigen Untergruppen bereits Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen begangen haben. Unter anderem wirft sie der Terrororganisation religiöse Verfolgung und gezielte Anschläge gegen Gebetsstätten vor.

Paul Coleman, Geschäftsführer von ADF International, sagte: „Diese Stellungnahme der Anklägerin des Internationalen Strafgerichtshofes zeigt, dass Nigeria weiterhin kein sicherer Ort für religiöse Menschen ist. Besonders Christen leiden unter der weiterverbreiteten und grausamen Verfolgung. Niemand darf seine Augen verschließen vor dieser schrecklichen Plage, unter der Christen und andere religiöse Minderheiten in Nigeria aktuell leiden.“

Bilder dürfen in Print oder Online verwendet werden, aber nur in Zusammenhang mit dem dazugehörigen Beitrag

Sie wollen uns unterstützen? Erfahren Sie hier wie.

ADF International

Postfach 5, 1037 Wien
Österreich