In den letzten Tagen mussten christliche Familien in drei angrenzenden Dörfern im indischen Bundesstaat Chhattisgarh für ihren Glauben schreckliches Leid erdulden.

Am 19. September versammelten sich einige religiöse Führer die Dorfgemeinschaft von Kakdapeda, der auch zehn christliche Familien angehören. Die Christen wurden dazu aufgefordert, ihren Glauben abzuschwören, da sie ansonsten schreckliche Folgen zu befürchten hätten. Weil sich diese jedoch weigerten und zur Antwort gaben, dass sie ihren Glauben an Jesus Christus nie leugnen werden, wurde einer von ihnen von den christenfeindlichen Anhängern verprügelt, um zu beweisen, wie ernst sie es meinen.

Am nächsten Tag wurden die Christen wieder zusammengerufen. Doch dieses Mal konnten sie sich in den benachbarten Dörfern verstecken und mit Hilfe der Partneranwälte von ADF India eine Beschwerde bei der Polizei in Kondagaon einbringen. Obwohl die Polizei eine Untersuchung der Angelegenheit versprach, haben sie das Dorf weder am 20. noch am 21. September besucht. In diesen zwei Nächten sind die Christen nicht in ihre Häuser zurückgekehrt. Sie fürchteten um ihr Leben, sollten sie zurückkehren, bevor die Polizei einschreitet.

Trotzdem sammelten die Christen am 22. September genug Mut und gingen in ihr Dorf. Aber auch das Tageslicht gab ihnen keinen Schutz. Um 8:00 Uhr früh stand ihnen eine bedrohliche Menge von 200 Leuten gegenüber und drohte ihnen, ihre Häuser zu zerstören, wenn sie nicht endlich ihren Glauben abschwören. Die Christen wandten sich wieder an die Partneranwälte von ADF India und berichteten von der Bedrohung.

Leider ließ sich die Polizei auch in den nächsten Stunden nicht blicken. Um 14:00 Uhr begann die wütende Menschenmenge, ihre Drohungen wahrwerden zu lassen und um 18:00 Uhr waren bereits sechs Häuser zerstört. Der zuständige Polizeikommissar, dessen Büro sich gleich neben der Polizeistation in Kondagaon befindet, wurde über die Lage informiert. Doch er konnte die Bedrohlichkeit der Situation nicht richtig beurteilen, übertrug dem Inspektor der Polizeistation die Kontrolle über die Menschenmenge und ging weiter zu anderen Meetings. Später am Abend, als auch die übrigen Häuser der Christen zerstört wurden, hatte noch immer kein Polizeibeamter das Dorf auch nur betreten.

Eines der Häuser, das den Christen gehört und von der Menge zerstört wurde

Die Schreie und Rufe der Opfer und ihrer Angehörigen hielten den Polizeikommissar die ganze anschließende Nacht wach. Am 23. September schickten die zuständige Behörde endlich jemanden in das Dorf. Dort fanden sie nur noch wenig von dem, was von den Häusern der Christen übriggeblieben war und erfuhren, dass die gleiche Menschenmenge – ermutigt durch die Untätigkeit der Polizei – die angrenzenden Dörfer Singanpur und Tiliyabeda ebenso in Angriff genommen hatte.

In diesen Dörfern trafen die Polizeibeamten auf die wütende Menge, mussten aber untätig zusehen, wie diese sechs weiter Häuser von Christen zerstörten. Die anwesenden Christen wurden Zeugen dieses behördlichen Versagens. Doch nicht nur das: Schockiert erfuhren sie auch über das Pressestatement des zuständigen Kommissars, wonach „kein einziges Haus zerstört wurde“ und es sich nur um „einen Dorfstreit über Landgrenzen“ gehandelt habe.

Polizeibeamte schauten bei dem Vorfall tatenlos zu

Am 24. September unterstützte ADF India die Opfer bei einer Sachverhaltsdarstellung vor dem Bezirksvorsteher. Am darauffolgenden Tag traf sich der Vorsteher und der Kommissar mit den Christen, um sie stundenlang dazu zu drängen, einen „Kompromiss“ zu schließen, sodass sie in ihre Dörfer zurückkehren können. Es wurde keine Anklage erhoben und keine einzige Person aus der wütenden Menschenmenge wurde verhaftet.

Diese Christen müssen sich nun entscheiden, ob sie in Sicherheit leben oder aber ihren Glauben frei ausleben wollen. Eigentlich ist die Polizei gesetzlich dazu verpflichtet, für ihre Sicherheit zu sorgen. Partneranwälte von ADF India arbeiten zusammen mit den Opfern, um die nächsten rechtlichen Schritte vorzubereiten.

Allein im Jahr 2020 gab es im Bundesstaat Chhattisgarh beinahe 50 bestätigte Fälle von Gewalt gegen Christen und zwar trotz coronabedingter Beschränkungen. Seit 2014 wurden mehr als 269 Fälle von Gewalt gegen Christen registriert.

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