PAKISTAN  – Für Christen und Angehörige von Minderheiten in Pakistan sind Gewalt und Diskriminierung aufgrund ihres Glaubens alltäglich. Die Coronakrise hat die Ungerechtigkeit, die Christen jeden Tag erleben, noch verschärft. Die Vorfälle, bei denen religiöse Minderheiten bei der Verteilung von humanitären Hilfen benachteiligt werden, häufen sich.

Die Verzweiflung ist groß. Die ohnehin schon niedrigen Einkünfte brechen durch die Pandemie weg. Hunger und Angst breiten sich aus. Die Regierung, islamische Organisationen und Moscheegemeinden verteilen Hilfsgüter an Notleidende. Aber nur an muslimische. „Man fordert die Christen auf, ihrem Glauben abzuschwören. Im Gegenzug erhalten sie dafür etwas zu essen. So versucht man sie dazu zu zwingen, zum Islam zu konvertieren – für einen Sack Mehl“, berichtete Aneeqa, eine Partneranwältin von ADF International aus Pakistan.

Christentum in Pakistan

Die Situation der religiösen Minderheiten in Pakistan hat sich mit der Covid-19-Krise massiv verschlechtert. Dabei gehören vor allem Christen ohnehin schon zu den besonders hilfsbedürftigen Gruppen der Gesellschaft. Sie gelten als Bürger zweiter Klasse, ihr Leben unterliegt starken Einschränkungen. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Übergriffen. Trotz der verfassungsrechtlich garantierten Religionsfreiheit steigt die Zahl der Diskriminierungsfälle aufgrund der religiösen Zugehörigkeit rasant an. Christen zählen dabei zu den häufigsten Opfern von Gewalt, falschen Anschuldigungen und systematischer Verfolgung, während die Justiz die Rechte dieser Minderheit nicht ausreichend schützt. Weltweite Aufmerksamkeit erhielt diese Situation durch den Fall Asia Bibis, die acht Jahre im Todestrakt eines Gefängnisses saß, weil sie angeblich den Namen des Propheten Mohammeds verunglimpft hätte. In letzter Minute sprach sie der Oberste Gerichtshof dennoch frei. Sie musste aus dem Land unter abenteuerlichen Umständen fliehen, um nicht Opfer einer selbsternannten Lynchjustiz zu werden. Leider ist das kein Einzelfall. ADF International unterstützt mehrere Blasphemiefälle vor Gericht, um das Leben der Betroffenen zu retten.

Todesurteil Glaube

„Ich kam gegen 22:00 nach Hause und unsere Nachbarn hielten mich an der Haustür auf. Sie fragten, warum ich um diese Zeit noch Fahrrad fahren würde. Danach schlugen sie mich zusammen. Mein Vater kam, um mit ihnen zu sprechen. Ab diesem Zeitpunkt schien es, als wäre die Gewalt bereits geplant gewesen. Ohne sich anzuhören, was er sagen wollte, packten sie meinen Vater am Kragen und zerrten ihn mitten auf die Straße. Während sie ihn würgten und auf ihn einschlugen, kam eine Frau aus ihrem Haus und brachte ihnen die Waffe. Sie erschossen meinen Vater auf offener Straße. Meine Großmutter und mein Onkel, die hinaus gerannt kamen, wurden beide angeschossen.“ Abadish, der älteste Sohn von Nadeem Joseph, erzählt von dem Abend im Juni, an dem sein Vater seinen Nachbarn zum Opfer fiel. Sein Bekenntnis zum christlichen Glauben wurde ihm zum Verhängnis. Die Familie war in der Nachbarschaft schon länger angefeindet und bedroht. Als Joseph auf der Straße erschossen wurde, kam keiner zu Hilfe. „Niemand griff ein. Sie sahen einfach zu. Mit unbeschreiblich hasserfüllten Augen“, berichtet Abadish. Die Familie wandte sich hilfesuchend an die Polizei. Doch die nahm die Aussagen der Zeugen nicht auf und arbeitete mit den Tätern zusammen. „Auch wenn die schreckliche Situation von Christen und anderen religiösen Minderheiten bekannt und dokumentiert ist, wird von Seiten der Behörden kaum etwas dagegen unternommen. Es gibt zwar prominente Freisprüche, wie jenen von Asia Bibi, aber die Blasphemiegesetze sind noch immer eine große Gefahr“, berichtet Aneeqa. Sie verteidigt Christen, denen Blasphemie unter den strengen pakistanischen Gesetzen vorgeworfen wird und hilft ihnen im Kampf gegen die vielen falschen Anschuldigungen. Blasphemie steht in Pakistan unter Todesstrafe. Laut Bericht des USCIRF (US Kommission für internationale Glaubensfreiheit) sind aktuell etwa 80 Menschen wegen Blasphemie im Gefängnis. Diese Gesetze fördern eine Kultur, in der Gewalt gegen bestimmte Menschen und Gruppen als Kavaliersdelikt abgetan wird, so Aneeqa. In Punjab etwa, wurde eine christliche Gruppe attackiert, nachdem ihnen über die Lautsprecher einer Moschee Blasphemie vorgeworfen worden war. In Karachi attackierte ein wütender Mob 200 Christen, weil vier Frauen Blasphemie vorgeworfen wurde.

Erste Erfolge

Der ohnehin schon schwere Alltag der Minderheiten in Pakistan wurde durch die Coronakrise nun noch verschärft. In ihrer Ausweglosigkeit werden Christen dazu gezwungen, ihren Glauben zu leugnen, damit sie ihre Familien ernähren können. Es ist dringend notwendig, alles dafür zu tun, dass sich diese Situation nachhaltig verbessert und dass Opfern, wie Joseph und seiner Familie, Gerechtigkeit widerfährt. Dafür kämpft Aneeqa vor Ort. ADF International unterstützt sie dabei, verwendet ihre Fälle aber auch dazu, um international Druck aufzubauen. Mit Erfolg. Die USA werden etwa künftig ihre finanzielle Auslandshilfe an die Garantie knüpfen, dass alle Bürger des Empfängerlandes ihren Glauben frei ausüben können. Für Länder wie Pakistan geht es dabei um viele Millionen. Hoffentlich genügend Ansporn, Christen entsprechend zu schützen.

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